In unserer neuen Serie „Und was machst du sonst so?“ stellen wir Studierende und Mitarbeiter der Fachhochschule vor, die uns mit ihren außergewöhnlichen Nebenjobs und Hobbies beeindrucken. Heute dreht sich alles um Sönke Thomsen, Student im Fachbereich Medien. Der 29-Jährige ist Filmkomparse und hat es geschafft, Job und Leidenschaft miteinander zu verbinden.

FHEWS: Wie hat es dich ans Set verschlagen?

Sönke: Die Filmbranche hat mich schon immer sehr fasziniert. Ursprünglich war ich aber nicht an der Schauspielerei, sondern an einem Job hinter den Kulissen interessiert – ich wollte Kameramann werden. Nachdem ich mich, leider erfolglos, für ein Praktikum beworben hatte, beschloss ich die Branche trotz allem noch nicht ganz aufzugeben. In der Zeitung las ich, dass das Großstadtrevier nach Komparsen suchte und so nahm das Ganze seinen Lauf…

FHEWS: Du hast ja schon in über 130 unterschiedlichen Produktionen mitgewirkt. Wie organisierst du das?

Sönke: Die Angebote für die einzelnen Produktionen laufen über Agenturen speziell für Komparsen und Kleindarsteller. Ich bin zum Beispiel in der Kartei von „ExtraFaces“, der größten Komparsenagentur Norddeutschlands. Dort trage ich regelmäßig die Tage ein, an denen ich verfügbar bin. Wenn dann ein passendes Angebot reinflattert, werde ich informiert und ich kann mich darauf bewerben. Wer sich auch mal an der Komparserie versuchen möchte, bewirbt sich also am besten auch einfach bei „ExtraFaces“ oder anderen Agenturen wie „Kiez Komparsen“ oder „Producer’s Friend“.

Am Set von Notruf Hafenkante ist Sönke als Pfleger Jan unterwegs. (Foto: Sönke Thomsen)

FHEWS: Wo schaltet man denn am besten ein, wenn man mal einen Blick auf dich erhaschen möchte?

Sönke: Am häufigsten bin ich im ZDF als Pfleger Jan bei „Notruf Hafenkante“ zu sehen. Da gehöre ich zum festen Pool des Krankenhauspersonals, das die ganze Zeit durch den Hintergrund läuft. Man konnte mich aber auch schon öfters im Tatort entdecken, in verschiedenen Kinofilmen oder auch in Werbespots. Zuletzt war ich in dem Historiendrama Gigant des Nordens, das am 28. Mai auf Arte lief, zu sehen. Die Liste an Produktionen könnte ich jetzt noch ewig fortsetzen…

Abgabe 2.5

Sönke in seiner Rolle als Hafenarbeiter bei „Gigant des Nordens“. (Foto: Sönke Thomsen)

FHEWS: Welche Drehs gefallen dir besonders gut?

Sönke: Generell mag ich historische Drehs sehr gern. Man trägt besondere Kleidung, schlüpft in ganz neue Rollen und kann so Jahrzehnte erleben, die man selbst nie kennenlernen durfte. Tatsächlich war Gigant des Nordens die schönste Produktion, an der ich je teilhatte. Der Film spielt im 14. Jahrhundert und das gesamte Set war dementsprechend hergerichtet. Kostüm und Maske taten mit einer Menge Kunstschweiß und -dreck dann ihr Übriges. Nach wenigen Minuten am Set fühlte ich mich, als hätte ich tatsächlich eine Zeitreise hinter mir.

FHEWS: Dein erstes Engagement als Komparse liegt inzwischen über acht Jahre zurück. Bist du trotzdem noch aufgeregt, wenn ein neuer Drehtag ansteht?

Sönke: Ein bisschen Lampenfieber gehört für mich immer dazu. Besonders nervös war ich allerdings bei meinem letzten Dreh. Das Casting und die Zusage für den Film kamen sehr spontan und dann war es auch noch meine erste kleine Sprechrolle. Obwohl es nur ein einziger Satz war, ging mir im entscheidenden Moment dann doch ganz schön die Pumpe.

FHEWS: Ist es nicht schwierig sich immer wieder an neue Sets und neue Schauspielkollegen gewöhnen zu müssen?

Sönke: In der Kartei von „ExtraFaces“ sind zwar über 15.000 Komparsen vermerkt, aber letztendlich trifft man doch immer die gleichen Gesichter. So häufig muss ich mich also gar nicht umgewöhnen. Wenn ich doch mal jemanden neues kennenlerne oder sogar das Vergnügen habe, mich mit einem der Hauptdarsteller zu unterhalten, freue ich mich natürlich doppelt.

FHEWS: Hast du Ziele, die du in der Schauspielerei noch erreichen möchtest?

Sönke: Natürlich hat man auch als Komparse das Bestreben sich immer weiterzuentwickeln. Ich für meinen Teil freue mich, wenn ich zum Beispiel mal eine kleine Sprechrolle ergattere. Ansonsten würde ich auch gerne mal in einem großen Theater auftreten. Zu meiner Schulzeit habe ich mal bei einer Aufführung mitgemacht – der Applaus am Ende des Stücks macht wahnsinnige Gänsehaut.

 

Aufgepasst! Wer mehr über Sönke und die Komparserie erfahren möchte, kommt hier zu einem weiteren Bericht.