Habt ihr euch schon mal gefragt, was es mit den Sammelbehältern für Plastikdeckel auf sich hat? Dank Sarah Flint, der Referentin für Campus und Kultur des Allgemeinen Studierendenausschusses der Fachhochschule Kiel, ist es nun auch möglich, auf dem Campus der Fachhochschule Kiel Deckel gegen Polio abzugeben.

Sammelstelle im großen Hörsaalgebäude der Fachhochschule Kiel (Foto: Marek Jensen)

 

Seit Anfang des Jahres 2017 wurden insgesamt zehn Sammelstellen auf dem Campus eingerichtet. „Nahezu jeden Tag schmeißt man einen Saftkarton weg oder leert eine PET-Flasche. Mit 500 Deckeln kann eine Impfung bezahlt werden“, so Sarah Flint. Die Sammelaktion an der Fachhochschule Kiel ist zeitlich unbegrenzt. Solange die Aktion gut läuft, werde sie sie weiterhin durchführen. Die Sammelbehälter sind jeweils in den fünf verschiedenen Fachschaftsbüros, im großen und kleinen Hörsaalgebäude, im International Office, in der Schwentine-Mensa und im AStA zu finden. Von dort aus gelangen die gesammelten Deckel zur Lagerstelle auf dem ABK-Wertstoffhof im Klausdorfer Weg und werden dann an den endgültigen Verwerter weitergegeben.

Polio ist die Abkürzung für die durch Polioviren hervorgerufene Infektionskrankheit Poliomyelitis. Die im Deutschen als Kinderlähmung bezeichnete Erkrankung führt von Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod durch Atemlähmung. Neben Erwachsenen erkranken vor allem Kleinkinder an der unheilbaren und hoch ansteckenden Krankheit. Polio kann bisher nur über Impfungen eingedämmt werden, die einen lebenslangen Schutz vor dem Virus ermöglichen.

Im Rahmen der Aktion „Deckel gegen Polio“ werden genau diese lebenswichtigen Schluckimpfungen durch den Verkauf von Getränkedeckeln aus Kunststoff an Recyclingunternehmen finanziert. Gemeint sind Kunststoffdeckel und -verschlüsse von Getränkeflaschen und Getränkekartons wie zum Beispiel von Erfrischungsgetränken oder Milchkartons. Pfandflaschen werden auch ohne Deckel zurückgenommen. 500 dieser Deckel ergeben rund ein Kilogramm Material und der Erlös deckt die Kosten einer Impfung gegen Polio. An der Sammelaktion teilnehmen kann jeder. Gesammelte Deckel können landesweit bei den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden. Von dort aus werden sie entweder zu Lagerstellen oder direkt zum Verwertungsunternehmen transportiert.

Sammelbehälter der Fachhochschule Kiel (Foto: Marek Jensen)

Der Erlös geht an den Verein Deckel drauf e.V. und wird dann als Spende an den Rotary Gemeindienst Deutschland e.V. weitergegeben, der die Gelder aus Deutschland für die weltweite Kampagne „End Polio Now“ verwaltet. Von diesen Geldern werden dann die Schluckimpfungen finanziert mit dem Vorhaben, dass kein Kind mehr an Kinderlähmung erkranken soll. Seitens des Vereins ist die Sammelaktion auf unbestimmte Zeit angelegt. Sie wollen andere Projekte unterstützen, sobald Polio besiegt sein sollte. Derzeit tritt die unheilbare Krankheit Poliomyelitis noch in den drei Ländern Afghanistan, Pakistan und Nigeria auf. Die Weltgesundheitsorganisation hofft, Polio bis zum Jahre 2018 vollständig zu beseitigen.

Seit dem Start der Aktion „Deckel gegen Polio“ im August 2014 sind rund 77 Millionen Deckel gesammelt und verwertet worden. Davon konnten über 150.000 Schluckimpfungen finanziert werden. Wegen des Versprechens der Bill & Melinda Gates Stiftung, jeden gesammelten Betrag zu Gunsten von „End Polio Now“ zu verdreifachen, steigt die Anzahl der Schluckimpfungen auf mehr als 460.000.